{"id":363,"date":"2016-09-19T15:45:48","date_gmt":"2016-09-19T14:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/acinu.net\/?p=363"},"modified":"2016-09-25T09:01:49","modified_gmt":"2016-09-25T08:01:49","slug":"erwachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/acinu.net\/?p=363","title":{"rendered":"Erwachen"},"content":{"rendered":"<p><em>Finster hier. Und eng. <\/em>Ich bin noch etwas benommen, daher ist es nicht einfach, klare Gedanken zu fassen. Ich liege in F\u00f6talstellung in einem kalten Raum, eingezw\u00e4ngt in etwas, das nicht gr\u00f6\u00dfer als ein gew\u00f6hnlicher W\u00e4schekorb sein kann. Wie bin ich hierher gekommen? Ich erinnere mich an das Treibhaus&#8230; die Pflanzen dort waren so \u00fcppig, wie in einem Urwald. Perfekt, um sich zu verstecken&#8230; Oh. Jemand hatte sich dort versteckt. Jemand, dem ich um alles auf der Welt aus dem Weg gehen muss&#8230; Tian Chi, Mitglied der chinesischen Mafia in San Diego. Er hat mich gefunden. Hat er mich hier eingesperrt? Nein. Jemand anders war ebenfalls im Treibhaus, einer der M\u00e4nner, die uns am Pool so aufdringlich gemustert haben. Er hat Tian Chi aufgehalten, die Erinnerung kommt wieder. Ich bin weggelaufen. Ja, ich bin zu meinem Zimmer gerannt. Dort angekommen&#8230; bin ich nicht. SIE hat mich erwischt! Das M\u00e4dchen in Pink!<\/p>\n<p><em>Sie ist hier! <\/em>Sie sitzt zusammengekauert \u00fcber mir, \u00fcber dem Gef\u00e4\u00df, in das sie mich gezw\u00e4ngt hat&#8230; es ist ein W\u00e4schekorb, ein VERDAMMTER W\u00e4schekorb. Sie grinst. \u201eHast du gut geschlafen?\u201c<\/p>\n<p>Sie hat mich vor meinem Zimmer eingeholt und festgehalten. Sie war so stark, obwohl sie so zierlich ist. Ich richte mich ein wenig auf und erwarte stechende Kopfschmerzen, doch sie bleiben aus. Davon ermutigt wage ich es, mich aufzusetzen, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Sie hat sich pl\u00f6tzlich auf mich gest\u00fcrzt und meinen Hals&#8230; gek\u00fcsst? Wieder bin ich nicht ganz sicher, ob ich meinen Erinnerungen trauen darf. Ich hebe meine Hand und f\u00fchre sie an meinen Hals. Ich hatte schon halb erwartet, eine Schwellung vorzufinden, doch ich ber\u00fchre nur glatte Haut. Es war nicht der erste leidenschaftliche Kuss, den ich von einer Frau bekommen habe, doch etwas daran f\u00fchlt sich falsch an. Von einem Kuss falle ich normalerweise nicht in Ohnmacht.<\/p>\n<p>\u201eWas hast du mir gegeben?\u201c, frage ich sie. Meine Stimme hallt durch den Raum, der ziemlich gro\u00df zu sein scheint. Eine Art Waschraum, was auch den Korb in dem ich stecke erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>\u201eKeine Drogen\u201c, erwidert sie fr\u00f6hlich, \u201esondern etwas viel, viel Besseres. Freust du dich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Jetzt musst du mir nur noch sagen, was du mir gegeben hast\u201c. Ich klinge mutiger als ich mich f\u00fchle. Ich kenne mich nicht aus in diesem Spa, und bin hier irgendwo im Keller mit einer Verr\u00fcckten.<\/p>\n<p>\u201eEwiges Leben. Sozusagen. Wenn du es nicht vermasselst. Was ist, Kitty? Du meinst, sie kennt sich noch nicht aus, ich muss deutlicher werden? Ja, wahrscheinlich. Menschen sind so dumm wenn es um solche Dinge geht\u201c.<\/p>\n<p>Sie h\u00e4lt eine sehr mitgenommene Hello Kitty in die Luft. Mitgekommen ist milde ausgedr\u00fcckt. Man erkennt noch, was sie darstellen soll, aber sie wirkt im Vergleich zum Original ein wenig wie eine Micky Rourke-Montage \u2013 Beginn und Ende seiner Karriere. Das M\u00e4dchen spricht mit seiner Puppe wie mit einer Person. Es verwundert mich nicht einmal sehr.<\/p>\n<p>\u201eAlso \u2013 du bist ein Vampir\u201c. Sie strahlt mich an. Offenbar erwartet sie, dass ich begeistert auf diese Nachricht reagiere. Oder es ihr glaube. Irgendwie schaffe ich es, nicht laut loszulachen.<\/p>\n<p>\u201eKitty, was meinst du? Glaubt sie uns? Du hast Recht, sie wirkt nicht so. Lass es uns ihr erkl\u00e4ren, nur zur Sicherheit\u201c. Sie \u00fcberlegt kurz. \u201eIch hab dich gebissen. So bist du zu einem geworden\u201c.<\/p>\n<p>Ich muss wohl immer noch recht\u00a0 bel\u00e4mmert aussehen, denn sie lacht mich offen aus. \u201eMach dir nichts draus, es dauert bei allen l\u00e4nger, bis sie es akzeptieren k\u00f6nnen. Du wei\u00dft ja noch nicht einmal, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck du gehabt hast \u2013 du bist eine Malkav!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch dachte, ich sei ein Vampir?\u201c, antworte ich gereizt. Langsam macht sie mir Angst.<\/p>\n<p>\u201eBist du auch. Malkav ist der Name deines Clans, deiner neuen Familie. Du wei\u00dft schon, alle Malkavs sind Vampire, aber nicht alle Vampire sind Malkavs. Obwohl eine Welt nur mit Malkavs nat\u00fcrlich viel besser w\u00e4re&#8230; etwas langweilig vielleicht, was sagst du, Kitty, ohne die lustigen Brujas und die komischen Torries, die man \u00e4rgern kann? Ja, ich denke auch. Kitty meint, du siehst immer noch nicht \u00fcberzeugt aus. Blas mal auf deine Hand\u201c.<\/p>\n<p>Ich bin zu perplex, um ihr nicht zu gehorchen. Ich puste auf meine Hand, doch kein Luftzug ist zu sp\u00fcren. Ich nehme einen tiefen Atemzug \u2013 ich will einen tiefen Atemzug nehmen, doch es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrden meine Lungen sich weigern, die Luft anzunehmen. Ich blase wieder auf meine Hand, und sp\u00fcre nichts.<\/p>\n<p>\u201eDas liegt daran, dass du streng genommen tot bist\u201c, erkl\u00e4rt das M\u00e4dchen, \u201eAber in Wirklichkeit hat f\u00fcr dich ein neues, besseres Leben begonnen. Wie gesagt, du hast gro\u00dfes Gl\u00fcck gehabt, dass ich dich erwischt habe. Sonst w\u00e4rst du jetzt f\u00fcr die Ewigkeit eine Gangrel, und glaub mir, das h\u00e4tte dir keinen Spa\u00df gemacht. Jakob wird wahrscheinlich sauer dar\u00fcber sein&#8220;. Ich habe keine Ahnung, wer Jakob ist, aber sie wirkt entz\u00fcckt dar\u00fcber, ihn sauer gemacht zu haben. &#8222;Und jetzt, wo du wei\u00dft was los ist m\u00fcssen Kitty und ich dir ein paar Sachen erkl\u00e4ren\u201c.<\/p>\n<p><em>Streng genommen bist du tot. Tot. TOT.\u00a0<\/em>Ich kann kaum verstehen, was Tinkerbell mir zu sagen hat, denn dieses eine Wort hallt in meinem Kopf wider und sperrt alles andere aus. Clans, Prinzen, Maskerade, diese Begriffe schwirren durch mein Gehirn, nur um von dem schwarzen Wurmloch, diesem einen Wort, ausgel\u00f6scht zu werden. Tot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann regt sich Hunger in mir, und l\u00e4sst die Situation ein wenig ertr\u00e4glicher erscheinen. Wo Hunger ist, muss auch Leben sein. Tinkerbell verspricht, mich auf meine erste Jagd zu nehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Worauf hast du Lust?&#8220;, fragt sie fr\u00f6hlich, &#8222;hast du im Spa jemanden gesehen, der besonders appetitlich wirkt?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Heute ist mir nach Chinesisch&#8220;, antworte ich.<\/p>\n<p>Sie wirkt ein wenig niedergeschlagen. &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob dein kleiner Freund mit dir spielen kann. Jakob war gestern ein wenig grob zu ihm&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Das macht nichts. Sie sind zu zweit hier. Wenn Tian Chi keine Lust hat, dann wird Yan Wong wohl herhalten m\u00fcssen. Ich habe ihn gestern in der Metalbar gesehen&#8220;.<\/p>\n<p>Er ist leichter zu finden als ich erwartet h\u00e4tte, aber wahrscheinlich hat auch er nach mir gesucht. Obwohl er mich kennt funktioniert die &#8222;hilfloses M\u00e4dchen&#8220;-Routine, um ihn in einen finsteren Winkel zu locken. Tinkerbell \u00fcbernimmt das Festhalten; wieder bin ich \u00fcberrascht davon, wie stark sie sein muss f\u00fcr ihren zierlichen K\u00f6rperbau. Sobald ich zubei\u00dfe, hat er keine Chance mehr, sich zu befreien. Mit dem Blut scheint s\u00e4mtliche Kraft seinen K\u00f6rper zu verlassen. Allen Warnungen, die Tinkerbell mir mitgegeben hat, zum Trotz, kann ich nicht von ihm ablassen, obwohl das Hungergef\u00fchl nachl\u00e4sst und einer wohligen S\u00e4ttigung weicht. Ich sauge weiter und weiter &#8211; bis das Blut pl\u00f6tzlich einen scheu\u00dflichen Beigeschmack bekommt, und ich es angeekelt wieder ausspucke. Yan Wong sinkt zu Boden, eine leb- und seelenlose H\u00fclle. Der erste Mord an einem Menschen sollte das Gef\u00fchl von Selbsthass erwecken, doch beim Anblick der Leiche des Mannes, den ich die letzten Jahre immer f\u00fcrchten musste, erf\u00fcllt mich nichts als Erleichterung.<\/p>\n<p>Tinkerbell wirkt allerdings nicht unbedingt erfreut. &#8222;Wieso hast du ihn hier t\u00f6ten m\u00fcssen? Das Spa ist ein Asylum &#8211; hier ruhen alle Clankonflikte, und es darf nicht get\u00f6tet werden!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Was wird nun mit mir passieren?&#8220;, frage ich.<\/p>\n<p>&#8222;Nichts&#8220;, sagt sie. Das fr\u00f6hliche Grinsen ist auf ihr Gesicht zur\u00fcckgekehrt. &#8222;Du bist mein Child, und ich bin f\u00fcr dich verantwortlich. Da ich allerdings keine Lust habe, f\u00fcr die leere\u00a0Fr\u00fchlingsrolle da Verantwortung zu \u00fcbernehmen, werden Kitty und ich dir helfen, sie zu verstecken. Lass uns eine Schaufel organisieren und ihn irgendwo in der W\u00fcste zur letzten Ruhe legen&#8220;.<\/p>\n<p>Ich muss ein wenig dar\u00fcber lachen. Das Schicksal, dass Yan Wong mir zugedacht hatte, wird ihm selbst zuteil. Buddhisten glauben nicht an Karma, aber es ist tats\u00e4chlich Mistst\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finster hier. Und eng. Ich bin noch etwas benommen, daher ist es nicht einfach, klare Gedanken zu fassen. Ich liege in F\u00f6talstellung in einem kalten Raum, eingezw\u00e4ngt in etwas, das nicht gr\u00f6\u00dfer als ein gew\u00f6hnlicher W\u00e4schekorb sein kann. Wie bin ich hierher gekommen? 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